Ein Preisvergleich im NVV-Netz zeigt absurde Unterschiede – und eine jahrelang verschleppte Tarifreform.
Wer im Kasseler Umland Bus oder Bahn fährt, kennt das ungute Gefühl beim Blick auf den Ticketautomaten. Doch manchmal sind die Preisunterschiede nicht bloß ärgerlich – sie sind schlicht schwer zu erklären.

Ein Ticket von Calden nach Kassel kostet 4,40 Euro. Zum gleichen Preis könnte man sogar bis nach Baunatal fahren. Wer dagegen von Grebenstein aus losfährt, zahlt allein für die kurze Strecke bis Immenhausen bereits 4,30 Euro – und für die Fahrt nach Kassel satte 7,10 Euro. Der Preisunterschied zwischen dem Kurzstreckenticket Grebenstein–Immenhausen und dem Weitstreckenticket Calden–Baunatal beträgt gerade einmal zehn Cent. Das leuchtet niemandem ein.
Das Tarifgebiet als unsichtbare Grenze
Die Ursache liegt in der Zonenstruktur des NVV: Calden gehört zum Tarifgebiet Kassel Plus, Grebenstein nicht. Wer innerhalb dieser Zone fährt, profitiert von deutlich günstigeren Preisen. Warum die Grenzen genau so gezogen wurden – darauf hat bis heute niemand eine befriedigende Antwort.
Eine Reform, die auf sich warten lässt
Bereits 2022 stellte die SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung Grebenstein einen Antrag, die Gemeinde in das Tarifgebiet Kassel Plus aufzunehmen. Die Stadtverordneten stimmten einstimmig dafür. Die Antwort des NVV ließ nicht lange auf sich warten: An den Tarifzonen werde vorerst nichts geändert – allerdings sei für 2024 eine große Tarifreform geplant.
Wir schreiben inzwischen das Jahr 2026. Von dieser Reform ist nichts zu sehen.
Die SPD-Fraktion hat daher erneut einen entsprechenden Antrag gestellt – diesmal im Schulterschluss mit ähnlichen Vorstößen aus Hofgeismar und Immenhausen. Auch dieser Antrag wurde von der Stadtverordnetenversammlung einstimmig befürwortet.
Gemeinsam lauter werden
Dass nun gleich drei Gemeinden geschlossen auftreten, unterstreicht die Berechtigung der Forderung. Die Frage ist, ob der Verbund diesmal konkret handelt – oder die Kommunen erneut auf eine Reform vertröstet, die nicht kommt.
Faire Ticketpreise für alle im Verbundgebiet sind keine Luxusforderung. Sie sind eine Grundvoraussetzung dafür, dass der ÖPNV als echte Alternative zum Auto ernst genommen wird.







